Werkstattunterricht

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Werkstattunterricht bezeichnet nach Jürgen Reichen (1991) eine Form offenen Unterrichts. Der Werkstattunterricht ist in eine vorbereitete Lernumgebung eingebettet, welche Lernmaterialien verschiedener didaktisch-methodischer Art und verschiedener Fächer beinhaltet. Die Schüler können aus der Vielzahl an Lernmaterialien selbst auswählen und diese Materialien eigenständig bearbeiten. Hierbei ist es möglich die Lerninteressen, das Arbeitstempo und die Arbeitsorganisation zu berücksichtigen. Zudem können die Schüler frei (in Abstimmung der Aufgabenstruktur) über die Sozialform zu entscheiden. Nach Beendigung der Aufgabe ist darüber hinaus oft eine Selbstkontrolle möglich. Durch die betont schülerzentrierte Arbeit- und Unterrichtsorganisation tritt der Lehrer in den Hintergrund und nimmt die Funktion eines Lernberaters, -begleiters und –unterstützers ein. Zudem organisiert er die Lernumgebung bzw. Lernmaterialien.

Wertstattunterricht ist ganzheitlich ausgerichtet und berücksichtigt sowohl kognitive als auch emotionale und soziale Aspekte des Lernens. Folglich führt diese Unterrichtsform zu motiviertem, selbstgesteuertem und selbstverantwortlichem Lernen. Die Selbststeuerung ist für Reichen ein zentrales Merkmal dabei, denn sie bildet die Basis jedes Lernprozesses: „Ein ausreichendes Ausmaß an Selbststeuerung durch den Lernenden ist eine kritische Bedingung für erfolgreiches Lernen.[...] Je mehr Möglichkeiten der Schüler zur selbständigen, aktiven Arbeit hat, um so grösser wird sein Lernerfolg“.(Reichen, 1988, S. 36f)

Die Grundideen des Werkstattunterrichts weisen in vielerlei Hinsicht Parallelen zu reformpädagogischem Gedankengut auf:

  • Lernen in Zusammenhängen: Nicht nur lehrganghaftes, nach Fächern aufgegliedertes Lernen.
  • Die Bedeutung der Emotionen - Freude statt Angst.
  • Förderung der Kooperation untereinander, nicht nur Konkurrenzdenken.
  • Die Lebensbedeutsamkeit des Lernens sollte sichergestellt werden.
  • Lernen mit Kopf, Herz und Hand; ganzheitliches Lernen mit allen Sinnen.
  • Bildung von Verantwortungsgefühl als Ziel; Lernen nicht nur zum Wissenserwerb.
  • Offenheit des Lernens für Aktuelles oder Unvorhergesehenes.
  • Einbeziehen außerschulischer Lernorte.