Vielfalt als Chance

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Scholz, Ingvelde / Offermann, Günter (Hrsg.)

Vielfalt als Chance

Vom Schulmodell zur Modellschule.
Vandenhoeck & Ruprecht, 384 Seiten, Erscheinungsdatum: 08.04.2010
ISBN 3525701063

Im Jahre 2007 wurde von der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung (In Kooperation mit stern und ZDF) ein „Deutscher Schulpreis“ ausgeschrieben, bei dem das Friedrich-Schiller-Gymnasium Marbach (Baden-Württemberg) den 2. Preis errang. Das FSG Marbach ist mit 2200 Schülerinnen und Schülern das größte Gymnasium in Baden-Württemberg, umso verwunderlicher erscheint es darum, dass es zur Preiswürdigkeit gelangen konnte, geht man doch gerne davon aus, dass je größer eine Schule ist, desto schwieriger die Arbeits- und Lernbedingungen sein können.

Es könnte aber auch umgekehrt sein: Die Größe bietet die Chancen für eine Vielfalt von Förder- und Lern-Angeboten und genau dies ist es, was die Schule zu ihrem Aushängeschild und offensichtlichem Erfolgsrezept gemacht hat „Vielfalt als Chance“ so lautet folgerichtig der Titel eines aktuellen Buches, in dem die Schule sich, ihr Konzept und ihre Praxis in vielfältigen Beiträgen darstellt.

Wie das Schulmotto »Alle kommen ans Ziel. Das ist unser Anspruch!« Schritt für Schritt und in Kooperation mit allen Beteiligten verwirklicht wird, will dieses Buch zeigen. Dies geschieht anhand von konkreten Beispielen aus der Praxis (inklusive Arbeitsblättern). Die übergreifenden Rubriken sind:

  1. Guter Unterricht - unser starker Motor
  2. Vielfältige Angebote - unsere besonderen Leckerbissen
  3. Unterstützungssysteme - unsere Rettungsbote und Rettungsringe
  4. Sozialcurriculum - unser guter Teamgeist
  5. Kooperation - unsere Netzwerke

Hiermit sind die zentralen Stellschrauben von Schularbeit und Schulentwicklung benannt. Die unter diesen Überschriften versammelten Aufsätze beschreiben z.T. sehr spezielle Schulangebote (z.B. Chinesisch und China-Reisen), die Mehrzahl handelt von Projekten, die es in dieser oder jener Form überall gibt (Zirkus, Streitschlichter, Theater, Schreibwerkstatt), und man merkt schnell, dass die Güte einer Schule nicht von dem Vorhandensein solcher Angebote allein abhängt, sondern von dem „Gesamtarrangement“. Besonders interessant sind darum die Beiträge in Rubrik 3: Unterstützungssysteme. Hier geht es um Diagnostik, Ganztagesangebote und die „Sommerschule“.

Der Anspruch ist, Schüler mit ihren Stärken wahrzunehmen und durch Möglichkeiten der inneren und äußeren Differenzierung begabungsorientiert zu fördern. Die Sommerschule widmet sich den Schwächen. Schülerinnen und Schüler können in den Sommerferien ihre Lernrückstände gezielt abbauen.

Das Buch ist eine Fundgrube für Schulentwicklung. Es geht darin zwar nicht ganz ohne die bekannten Allgemeinplätze (der Mensch im Zentrum…) und persönlichkeitsnahe Darstellung (der Schulleiter dankt der „guten Seele“ Anneliese, der „lustigen Susanne“ und im Prinzip dann doch allen), wer aber mit Neugierde und einer klaren Fragestellung sucht, der findet auch reichlich Anregendes.

Der Buchpreis von knapp 30 Euro ist allerdings auch reichlich bemessen (Autorenhonorare?), wodurch sich die Anschaffung hauptsächlich für Schulbibliotheken empfiehlt.

-- Klaus Dautel, Juni 2010