Schülerpartizipation

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Definition

Der Begriff Partizipation stammt von den lateinischen Wörtern „pars“ (= „Teil“) und „carpere“ (= „fassen, nehmen“) ab. Heute wird Partizipation allerdings nicht als formale Teilnahmeform verstanden, sondern als eigenverantwortlicher Beteiligungs- und Gestaltungsprozess, der eine Handlungsorientierung beinhaltet.

Laut einer Arbeitsdefinition von Prof. Dr. Sturzenhecker ist Partizipation „das Recht sich als freies und gleichberechtigtes Subjekt an kollektiven, öffentlichen Diskussionsprozessen und Entscheidungen in Institutionen, Politik, Staat und Gesellschaft zu beteiligen und dabei eigene Interessen zu erkennen, öffentlich einzubringen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, sie zu begründen, zu prüfen, zu entscheiden, zu verantworten und zu revidieren.“ (vgl. Sturzenhecker 2005)


Ziele von Schülerpartizipation

Für jede Schule, ob Halb- oder Ganztagsschule, Grund-, Real-, Hauptschule oder Gymnasium, ist die Ermöglichung von Partizipation ein wesentlicher Bestandteil des Bildungs- und Erziehungsauftrags. Eine entsprechende Verordnung ist in vielen Schulgesetzen verankert (z.B. SchulG M-V, § 80). Schülerpartizipation verfolgt dabei den Anspruch, Schüler in die Planung, Gestaltung und Reflexion von schulischen Prozessen umfassend mit einzubeziehen und sie nicht als passive Objekte ihres Lernprozesses anzusehen. Idealerweise wird in der Schule die Demokratie der Gesellschaft gelebt, indem Schüler die Möglichkeit erhalten durch Erfahrungen zu lernen, an Entscheidungen teilzuhaben und Mitverantwortung zu tragen. Die Partizipation von Schülern muss im Schulalltag eine tragende Rolle einnehmen, damit

  • sich Schüler als selbstwirksam wahrnehmen können
  • sich Schüler mit ihrer eigenen Schule stärker identifizieren können
  • sich Schüler selbst entfalten und Anerkennung erfahren
  • Schüler ihre Selbst-, Sozial-, Sach- und Methodenkompetenz entwickeln können
  • sich Schüler als aktive Gestalter erleben und die Zuversicht gewinnen, Aufgaben eigenständig und ergebnisbezogen zu gestalten
  • demokratisches Handeln erlernt und ermöglicht wird
  • das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Schule und Schülergemeinschaft gestärkt wird
  • Schule zu einem Lern- und Lebensort wird

(vgl. Schweder 2005;Sturzenhecker 2005;Wildfeuer 2009)


Stufen der Partizipation

Grob gefasst können drei Stufen der Partizipation festgehalten werden, die sich durch eine zunehmende Selbstbestimmung der involvierten Schüler voneinander abheben:

  1. Beteiligung
    Beteiligung erfolgt entweder indirekt als vorgeschaltete oder nachgeschaltete Information; oder sie erfolgt direkt, wenn eine Person unmittelbar anwesend ist, zuhört, informiert und gefragt wird.
  2. Mitwirkung
    Schüler wirken an Diskussionen und an der Gestaltung des Unterrichts aktiv mit. Ihre Meinungen und Perspektiven werden aufgenommen, sie erhalten für die Vorbereitung und weitere Auswertung des Unterrichts allerdings keine Entscheidungsbefugnis.
  3. Mitbestimmung
    Alle Prozesse des Unterrichts werden von Schülern und Lehrern gemeinsam ausgehandelt, Entscheidungen werden nur mit Zustimmung der Schüler getroffen. Partizipation ermöglicht hierbei den realen Einfluss der Schüler und hebt deren Status im Unterrichtsgeschehen an (vgl. Schweder 2005)


Themen und Umsetzungsformen von Schülerpartizipation

Soll Partizipation mehr sein als eine Alibi-Teilhabe, bei der sich der eröffnete Freiraum lediglich auf die Entscheidung für oder gegen die Teilnahme bezieht, müssen Schüler in Schule und Unterricht etwas für sie Bedeutsames mitgestalten können. Die Inhalte und Themen können den Alltag der Lebensgestaltung (z.B. Regeln, Räume, Bedürfnisse, Freizeitgestaltung, Konflikte) und/oder die Formen des Lernens betreffen (z.B. Methoden, Inhalte, Leistungsbewertungen). Partizipation kann aber auch bei der Umsetzung übergreifender Projekte (Projektwochen, Feiern, Schulhofgestaltung u.ä.) und in Verbindung zu anderen (Kommune, Kreis, Welt) verwirklicht werden.

Die Formen der Umsetzung sind vielfältig und lassen sich nach Sturzenhecker in neun Gruppen klassifizieren.

  • Individuumsbezogene Formen der Partizipation, Bsp.: Krisenkonferenz, Lernpläne
  • Partizipation auf der Ebene von Personen und Gruppen (Mediation)
    Bsp.: Streitschlichter (Beispiel: Streitschlichtungsprogramm an der Schule Aichach-Nord), Pausen-Konflikt-Lotsen (Bsp: Wetzler-Schule Berlin) , Mediationsinseln
  • Partizipation in Klassen und Gruppen (Basisdemokratie)
    Bsp.: (Klassenrat), Montagskreis, Ausflugskomittee
  • Repräsentativdemokratie für die ganze Schule
    Bsp.: (Stufen- oder Schülerparlament), SV
  • Punktuelle, alltägliche Formen von Partizipation
    Bsp.: Meckerkasten, Dialog, offene Raumnutzung, alternatives Tagesangebot
  • Offene Versammlungsformen, Bsp.: (Schulversammlungen)
  • Projektorientierte Partizipationsformen, Bsp.: Raumgestaltung, Projektinhalte
  • Mediengestützte Artikulation, Bsp.: (Wandzeitungen), (Schülerzeitungen), Interviews
  • Advokatorische Entscheidungen durch pädagogisches Personal
    Bsp.: öffentliche Begründungen z.B. zu Minderheitenschutz und Personalentscheidung (vgl. Sturzenhecker 2005)


Literatur und Links zu konkreten Beispielen in der Schule