Rituale im Unterricht

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Rituale sind Handlungen bzw. Zeremonien, die nach einem festen Schema ablaufen und regelmäßig wiederholt bzw. durchgeführt werden. Sie sind uns vor allem aus politischen oder religiösen Kontexten bekannt, doch eigentlich begegnen uns überall im Alltag Rituale, wie etwa das gemeinsame Abendessen mit der Familie oder die Gutenachtgeschichte, auf die nicht verzichtet werden darf. Auch im Unterricht kommen Rituale zum Einsatz.

Andreas Helmke (Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität, 2009) grenzt Rituale von Regeln (Normen) und Routinen (= bestimmten Verhaltensweisen in wiederkehrenden Situationen) ab, wobei er darauf hinweist, dass die Abgrenzung nicht immer ganz trennscharf ist. Helmke nennt verschiedene Situationen, in denen der Einsatz von Ritualen sinnvoll ist, z.B. den Stundenbeginn oder das Stundenende, im Rahmen eines Morgen- oder Wochenabschlusskreises oder schon vor Schulbeginn am Morgen.

Rituale können in Form von Gesprächsrunden oder einer speziellen, wiederkehrenden Begrüßung / Verabschiedung (z.B. Händeschütteln, mehrsprachige Formel) ablaufen. Ein weiteres Beispiel ist der in den US-amerikanischen Schulen vor Unterrichtsbeginn gesprochene Appell „Pledge of Allegiance“. Aber auch eine gemeinsame Entspannungsübung im Unterricht kann ein Ritual sein.

Rituale können verschiedene Wirkungen entfalten:

  • Sie geben Halt und Struktur im Stunden- bzw. Tagesablauf und sorgen so für Orientierung bei Schülerinnen und Schülern
  • Sie können – durch das gemeinsam Vollzogene – integrative Wirkung auf die Klassengemeinschaft entfalten und sie so sozial stabilisieren
  • Sie können die Konzentration auf den beginnenden Unterricht (bei Stundenbeginn) sowie den gedanklichen Abschluss des Getanen und Erlernten (bei Stundenende) fördern
  • Sie können die Disziplin im Klassenzimmer positiv bestärken

Allerdings sollte man nicht vergessen, dass Rituale, deren Symbol- und damit auch Sinnhaftigkeit den Schülern nicht (mehr) einsichtig sind, ihre Wirkung verfehlen. Möglicherweise werden sie sogar als Instrument wahrgenommen, welches ohne konkreten Anlass zur Demonstration von Autorität oder gar zur Erzwingung von Disziplin dienen soll. Daher schadet es nicht, Rituale von Zeit zu Zeit im Hinblick auf Sinn und Zweck zu überprüfen. Auch Schülerinnen und Schüler sollten Rituale in Frage stellen dürfen.

Literatur und Weblinks

  • von der Groeben, Annemarie (Hrsg.) (2009): Rituale in Schule und Unterricht. 4. Aufl., Hamburg, Bergmann & Helbig.
  • Eine große Auswahl an Ritualen mit entsprechender Erklärung findet sich auf der Plattform für Religionspädagogik und Religionsunterricht der Evangelischen Kirche in Deutschland (PDF-Version)