Projektunterricht

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Die Projektmethode entstammt aus der reformpädagogischem Bewegung zu Anfang des 20. Jahrhunderts und gehört zu den offenen Unterrichtsformen. Lernen in Projekten bedeutet für Schüler, lebensnah durch praktisches Handeln Wissen zu erwerben und gleichzeitig die Gestaltungskraft ihrer Ideen im schulischen und gesellschaftlichen Umfeld zu erleben. Als "Vater des Projektgedankens" gilt insbesondere der amerikanische Pädagoge John Dewey (1859-1952). Seine bahnbrechenden Ausführungen in „Demokratie und Erziehung“ (1. Auflage 1916) beeinflussen bis heute die Schulentwicklung und die Projektmethode. Für Dewey gab es (wie der Titel des Werkes vermuten lässt) einen sehr engen Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Wandel, demokratischem Wertverständnis und (schulischer) Erziehung, welche im Projektlernen erfahrbar wird:

„Die Feststellung, daß Erziehung eine soziale Funktion ist, die die Leitung und Entwicklung der Unreifen durch die Teilnahme am Leben ihrer Gruppe sicherstellt, umschließt bereits die weitere, dass die Erziehung je nach Art des Gruppenlebens in den verschiedenen Gemeinschaften verschieden ist. Im besonderen ist wichtig, dass eine Gesellschaft, die nicht nur im Wandel begriffen ist, sondern diesen Wandel – zum Besseren – als ihren Lebenszweck betrachtet, andere Normen und Methoden der Erziehung haben muss als eine, die lediglich ihren unveränderte Fortbestand anstrebt.“

Die Merkmale des von Dewey skizzierten Projektunterrichts (so wie sie auch heute aktuell sind) hat Gudjons (1986) übersichtlich zusammengefasst:

  1. Situationsbezug und Lebensweltorientierung: Unterrichtsinhalt der Projektarbeit sind Aufgaben, die einen realen Bezug haben und sozusagen „aus dem Leben gegriffen sind“.
  2. Orientierung an den Interessen der Beteiligten: Das Interesse der Schüler steht im Vordergrund. Themen der Projektarbeit sind Lerngegenstände, die für die Lernenden interessant sind, weil sie Bedeutung für ihre aktuelle Lebenssituation haben.
  3. Selbstorganisation und Selbstverantwortung: Die Eigenverantwortung der Schüler steht im Zentrum. Das heißt als sie selbst Ihren Aneignungsprozess und alle hierfür notwendige Organisation selbst arrangieren müssen.
  4. Gesellschaftliche Praxisrelevanz: Idealer Weise wirkt das Projekt in die lokale oder regionale Entwicklung hinein. Schulen schaffen somit durch die Projektarbeit Wirkungsfelder, in denen etwas von konkreter Relevanz und Nutzen erarbeitet wird.
  5. Zielgerichtete Projektplanung: Projektarbeit ist zielgerichtet. Die Arbeitsschritte und alle hierfür nötigen Planungen werden durch diese Ziele definiert.
  6. Produktorientierung: Ein Produkt (ein Gegenstand oder eine sich im Handeln niederschlagende Einstellungsänderung) ist Gegenstand der Projektarbeit.
  7. Einbeziehung vieler Sinne: In einem Projekt sollen geistige und körperliche Arbeit gleichberechtigt ineinandergreifen. Theorie und Praxis werden (im Idealfall) ganzheitlich erlebt. Hieraus ergibt sich eine veränderte Lehrerrolle, in der die Lehrkraft als „Unterweiser“ in den Hintergrund tritt.
  8. Soziales Lernen: Gemeinsames Lernen steht im Mittelpunkt. Die Lernenden lernen voneinander und miteinander und übernehmen somit Verantwortung für sich und andere. Hierdurch werden demokratische Verhaltensformen gefördert.
  9. Interdisziplinarität: Die Projektmethode ist (idealer Weise) nicht auf ein Fach begrenzt, sondern sie fördert und fordert fächerübergreifendes Arbeiten.
  10. Grenzen: Grenzen treten im Projektunterricht in der Form auf, da Schule in Ihren Möglichkeiten, alle Lerngegenstände (wie z.B. Erwerb der Schriftsprache) in die Projektmethode umzusetzen, ebenfalls begrenzt ist.

Durch die Auflistung der Merkmale wird deutlich, dass die ganzheitliche Ausrichtung gleichfalls die Dimensionen Verstand, Gefühl und Tätigkeit beim Lernenden fördert und fordert.

Die erfolgreiche und stetige Entwicklung der Projektmethode hat dazu geführt, dass sie bis heute schulformübergreifend umgesetzt wird. Häufig handelt es sich jedoch nicht um ein grundlegendes, in den Stundenkanon integriertes Unterrichtskonzept, sondern um vereinzelte Projekttage oder -wochen. Der Begriff Projektunterricht ist mittlerweile zu einem pädagogischen Schlagwort geworden, was auch einige Gefahren mit sich zieht, da leicht ein Abstrahieren von der ursprünglichen Idee möglich ist. Nicht selten finden Projekttage als willkommene Auflockerung des traditionellen Unterrichts statt und bekommen so schnell das Prädikat „Spaß- und Freizeitvergnügen“ . Ein Projekt, dass den Effekt verliert, etwas Relevantes zu lernen (im Sinne der oben aufgeführten Merkmale), entspricht jedoch nicht der eigentlichen Intention. Somit kann festgehalten werden, dass beim Projektunterricht ein Hinterfragen der Zielrichtung und Organisation von Nöten ist, um sicherzustellen, dass ganzheitliches, demokratisches und nachhaltiges Lernen im obigen Sinne gegeben ist.

Literatur und Links

Dewey, J.: Demokratie und Erziehung. Eine Einleitung in die philosophische Pädagogik. 3. Aufl. Weinheim. 2000

Gudjons, H.: Handlungsorientiert lernen und lehren. Bad Heilbrunn. 1986

Gudjons, H.: Lernen in Projekten – Schritte und Merkmale einer besonderen Unterrichtsform, 2008 (Internetversion)

Emer, W. / Lenzen, K.-D.: Projektunterricht gestalten – Schule verändern (Basiswissen Pädagogik 6) 3. Aufl. Baltmannsweiler 2009