Projektlernen

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Lernen in Projekten oder Projektlernen bedeutet für Schüler, lebensnah durch praktisches Handeln Wissen zu erwerben und gleichzeitig die Gestaltungskraft ihrer Ideen im schulischen und gesellschaftlichen Umfeld zu erleben.

Der Projektablauf kann durch die Beteiligten flexibel gestaltet werden, weist aber einige grundsätzliche Merkmale auf. Typisch sind ein Bezug zur Gegenwart und die Orientierung an einer gesellschaftlich oder fachlich relevanten, offenen Problemlage. Die Schüler identifizieren eine Fragestellung (z.B. aus Politik, Gesellschaft, Naturwissenschaft), für die sie eine Lösung erarbeiten möchten. Dabei werden nach Möglichkeit die Interessen aller Projektteilnehmer berücksichtigt. Gemeinsam wird das weitere Vorgehen geplant. Die Umsetzung ihrer Ideen führt die Schüler aus dem normalen Unterricht hinaus: Sie forschen und experimentieren, recherchieren und führen Interviews, nicht nur im schulischen Umfeld. Ihre Fortschritte fließen in die Dokumentation ein, beispielsweise anhand eines Lerntagebuchs oder Projekttagebuchs. So können sie abschließend den Arbeitsprozess und seine Stolper- und Meilensteine betrachten (Reflektion). Das eigentliche Ergebnis des Projekts bildet allerdings das Produkt, sei es ein Modell, eine Studie oder ein Kunstwerk. Es stellt einen essentiellen Bestandteil des Projektlernens dar und wird auch vor den Mitschülern oder einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Auf dieses Ziel arbeiten die Schüler während des gesamten Projektzeitraumes hin. Die Veranschaulichung und Präsentation ihrer eigenen Ergebnisse machen ihren wissenschaftlichen und schulischen Erfolg erlebbar.

Wichtige Merkmale des Lernens in Projekten sind darüber hinaus die weit reichende Gestaltungsfreiheit der Schülerinnen und Schüler und ihre Selbstorganisation innerhalb der Projektgruppe nach demokratischen Prinzipien (Mitbestimmung). Als „Vater des Projektgedankens“ gilt der amerikanische Philosoph und Pädagoge John Dewey, nach dessen Ansatz die Schüler über jede Phase des Projekts – von der Idee bis hin zur Abschlusspräsentation – selbst bestimmen. In der Unterrichtspraxis hingegen begleiten die Lehrkräfte die Projektarbeit auch aktiv. Sie helfen bei der Eingrenzung des Themas auf eine adäquate Problemstellung sowie bei der Festlegung von Rahmen und Zielen des Projekts. Bei Fragen und Problemen leisten sie Hilfestellung. Sie überblicken den Fortlauf des Gesamtprojekts und machen die Schüler auf notwendige Anpassungen ihrer Ziele oder Planungen aufmerksam. Wichtig ist hierbei, dass den Schülern keine unumgänglichen oder stark inhaltlichen Vorgaben gemacht werden, damit ihre Identifikation mit dem Endprodukt als eigenständige Leistung gewährleistet bleibt.

Projekte können in vielfältiger Weise in den Unterricht eingebunden werden. Sie können in den Fachunterricht integriert oder fächerübergreifend bearbeitet werden. Sie können innerhalb spezieller Projektwochen durchgeführt oder über einen längeren Zeitraum hinweg betreut werden (Abschluss-, Facharbeiten etc.). Es gibt Projekte, denen sich eine ganze Klasse widmet, und andere, mit denen sich kleinere Projektteams oder auch einzelne Schüler beschäftigen. Zeitliche Flexibilität (vgl. Rhythmisierung) erleichtert die Durchführung von Projekten in der Schule erheblich.


Links und Literatur

  • Gudjons, Herbert: Lernen in Projekten – Schritte und Merkmale einer besonderen Unterrichtsform, 2008 (Internetversion)
  • Emer, Wolfgang / Lenzen, Klaus-Dieter: Projektunterricht gestalten – Schule verändern (Basiswissen Pädagogik 6) 3. Aufl. Baltmannsweiler 2009