Hospitationen

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Im Schulkontext versteht man unter Hospitationen gegenseitige Unterrichtsbesuche von Lehrenden. Diese finden heute zumeist im Rahmen der Lehrerausbildung statt: Der Fachleiter nimmt den Unterricht des Referendars in Augenschein und analysiert oder begutachtet ihn anhand verschiedener Kriterien. Mögliche Kriterien können zum Beispiel die Motivation der Schüler, Klassenführung, Methodenvielfalt oder Förderung eigenverantwortlichen Lernens sein. Anschließend werden in der Regel Unterrichtsverlauf, Fortschritte und mögliche Entwicklungsfelder besprochen.

In zunehmendem Maß nehmen Lehrende auch die Möglichkeit wahr, an besonders guten oder ausgezeichneten Schulen zu hospitieren, um Einblicke in fortschrittliche, gelingende Arbeits- und Unterrichtstechniken zu nehmen.

Darüber hinaus können Hospitationen aber auch in einem weiter gefassten Kontext als Qualitätssicherungs- und Evaluationsinstrument verstanden werden, das Lehrerinnen und Lehrer durch ihre gesamte Laufbahn hindurch begleitet. Gegenseitige Unterrichtsbesuche erlauben es den Lehrkräften, kontinuierlich voneinander zu lernen und ihr Repertoire an Methoden, Aktivierungstechniken oder auch Ritualen immer wieder zu aktualisieren. Rückmeldung zum eigenen Lehrverhalten kann einerseits bedeuten, Wertschätzung zu erfahren. Andererseits kann es helfen, bestimmte nicht funktionierende Unterrichtstechniken zu verändern und dadurch langfristig eine höhere Zufriedenheit mit dem eigenen Unterricht zu erreichen. Sie bietet Gelegenheit zur Reflektion über das eigene Arbeitsverhalten und somit zu dessen Weiterentwicklung, die zu jedem Berufsbild gehört.

Einige Schulen haben bereits regelmäßige gegenseitige Unterrichtsbesuche durch die Lehrkräfte eingeführt, zum Teil gibt es sogar schulübergreifende Hospitationspartnerschaften. Viele Lehrer scheuen sich allerdings noch immer vor einer Öffnung ihrer Klassenzimmertüren. Hospitationen sollten daher stärker als Ausdruck kollegialer Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfestellung wahrgenommen werden und nicht so sehr als Beurteilung im negativen Kontext.

Eine vorhergehende Einigung auf Kriterien und Ziele der Hospitation sowie die schriftliche Dokumentation ihres Verlaufs bilden die Grundlage für das anschließende Feedbackgespräch und tragen dazu bei, die Erkenntnisse und Ergebnisse der Evaluation auch langfristig zu sichern.

Literatur und Weblinks

  • Papier zu Hospitationen der Arbeitsgruppe „Kooperative Lernformen“ der Maria Sibylla Merian-Gesamtschule in Bochum