Didaktisch-methodische Kompetenz

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Die Diagnose (vgl. Teil 1) kann immer nur der Ausgangspunkt zur Förderung sein. Für die individuelle Förderung selbst benötigen Lehrkräfte fachliche, didaktisch-methodische und pädagogische Kompetenzen, die bei der Planung und Ausgestaltung des Unterrichts zum Tragen kommen. Die Kompetenz, Unterricht wirkungsvoll zu planen und zu gestalten, zeigt sich vor allem in der Auswahl geeigneter Inhalte und Methoden, Arbeits- und Kommunikationsformen. Im Hinblick auf individuelle Förderung sollten folgende Fragen bei der Unterrichtsplanung berücksichtigt werden:

  • Wie können bei der Wahl der Unterrichtsinhalte, -methoden, Aufgabenformen etc. die Lernentwicklungsstände und das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt werden?
  • Wie können die Lernenden aktiv in den Unterricht einbezogen werden, so dass der Verstehensprozess und der Wissenstransfer unterstützt werden?
  • Wie muss Unterricht gestaltet sein, damit Schüler Methoden des selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und kooperativen Lernens und Arbeitens erwerben und anwenden?
  • Wie kann bei der Berücksichtigung der Individualität der einzelnen Schülerinnen und Schüler das gemeinsame Lernen an Inhalten unterstützt werden?
  • Wie kann neben der Leistungsheterogenität auch die kulturelle, soziale Vielfalt in der jeweiligen Lerngruppe beachtet und berücksichtigt werden?
  • Wie kann die Lern- und Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler geweckt und gestärkt werden?

Generell gilt, dass Lernarrangements so gestaltet werden, dass sie sich an den Ausgangslagen bzw. Vorkenntnissen der Schüler orientierten und unterschiedliche Wege des Lernens ermöglichen. Dies ist in offenen Unterrichtsformen, z. B. der Wochenplanarbeit, dem Stationenlernen oder der Freiarbeit eher möglich als in stärker instruktiven Formen des Unterrichts. Das heißt nicht, dass diese eher lehrerzentrierten Anteile des Unterrichts nicht auch sinnvoll und notwendig wären: Entsprechend des Lernziels und der Phase im Lernprozess können sie bedeutsam für das Lernen sein. Wichtig ist eine klare Strukturierung in den offeneren wie in den instruktiveren Phasen des Unterrichts, ohne die Lernen nicht möglich ist. Hier ergeben sich sicherlich die größten Herausforderungen für die Unterrichtsgestaltung: Es gilt das rechte Maß zu finden zwischen lehrergesteuerter Instruktion und selbstgesteuertem Lernen der Schülerinnen und Schüler, zwischen individualisierter Lernzeit und Lernzeit in kooperativen Arbeitsformen, zwischen der Erfüllung des (vollen) Lehrplans und der Zeit, die Schülerinnen und Schüler für ihre Lernprozesse brauchen. Im Mittelpunkt dieses fortwährenden Auslotungsprozesses steht die Schülerorientierung und -aktivierung, ohne die individuelle Förderung nicht funktionieren kann.

In seinem “Angebots-Nutzungs-Modell” versucht der Unterrichtsforscher Andreas Helmke, die Faktoren der Unterrichtsqualität in ein umfassenderes Modell der Wirkungsweise und Zielkriterien des Unterrichts zu integrieren (Helmke, 2009: 73). Es umfasst sowohl Merkmale der Lehrperson als auch des Unterrichts. Helmke betont, dass es sich bei dem von der Lehrperson durchgeführten Unterricht lediglich um ein Angebot an die Schüler handelt: “[...] ob und wie effizient dieses Angebot genutzt wird, hängt von einer Vielzahl dazwischenliegender Faktoren ab.”