Waldhofschule Templin

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An der Waldhofschule Templin wird individuelle Förderung großgeschrieben. An der Brandenburger Grundschule, die die Klassen ein bis sechs umfasst, werden ca. 260 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, ungefähr die Hälfte von ihnen ist körperlich oder geistig behindert.

Die Schule ist Teil des Waldhofs, einer Komplexeinrichtung der evangelischen Stephanus-Stiftung in Templin mit Wohn- und Bildungsstätten für Behinderte. Früher war sie eine reine Sonder- bzw. Förderschule. Seit 2003 wird sie auch von Regelschülern besucht, und diese profitieren erheblich von dem erhöhten Betreuungsaufwand und der Methodenkompetenz des sonderpädagogisch geschulten Personals. Eine Klasse umfasst hier höchstens 18 Kinder, unterrichtet wird in einem Team aus zwei Lehrkräften, davon mindestens ein Sonderpädagoge. Jeder einzelne Schüler arbeitet an eigenen Lernzielen und hält seine Fortschritte in individuellen Entwicklungsplänen fest.

Das heißt aber nicht, dass die Schülerinnen und Schüler etwa nebeneinander her lernen. Wenn sie unterschiedliche, an ihr Lernniveau angepasste Aufgabenstellungen bearbeiten, befassen sich dennoch alle mit dem gleichen Lerngegenstand, z.B. Bruchrechnen oder dem alten Rom. Mindestens genauso häufig arbeiten die Schüler zudem in Gruppen zusammen, bei deren Einteilung bewusst auf Heterogenität geachtet wird. So können bei der Bearbeitung von Problemstellungen ganz unterschiedliche Lösungsstrategien zustande kommen, weil jeder eigene Ideen aus seinem Erfahrungshorizont beiträgt. Dass die Leistungen der Schüler – egal ob Regelschüler, mit Behinderung oder mit besonderer Begabung – von dieser Arbeitsweise profitieren, zeigt der Landesvergleich: Die Schüler der Waldhofschule liegen in den meisten Bereichen über dem Brandenburger Durchschnitt.

Die Schule ist eine rhythmisierte Ganztagsschule, die bereits um sieben Uhr ihre Tore öffnet. Von acht bis drei Uhr nachmittags wechseln sich Unterrichtseinheiten, Lern- und Freizeitphasen sowie gemeinsame Essenspausen ab. Eine Schulglocke gibt es nicht, der Unterricht endet, wenn die Klasse es entscheidet. Bis 17 Uhr haben die Kinder die Möglichkeit, in der Schule zu bleiben und an Arbeitsgemeinschaften oder Freizeitangeboten teilzunehmen, Hausaufgaben gibt es danach nicht mehr. Niemand bleibt sitzen, bis zur fünften Klasse gibt es keine Ziffernoten. An Freitagen ist Fachunterricht verboten: Die Schüler lernen stattdessen in selbst gewählten Projekten.

Die Lehrer halten eine gemeinsam beschlossene Präsenzzeit von 8-15 Uhr ein, in der sie unterrichten, Ansprechpartner für ihre Schüler sind und die nächsten Stunden vorbereiten. Dabei können sie auch die Entwicklungsziele der einzelnen Schüler besprechen und zusammen über geeignete Fördermaßnahmen nachdenken. So kosten Stundenplanung und Korrekturarbeiten insgesamt weniger Zeit als früher.

Die Einbindung der Schüler und Eltern ist der Waldhofschule besonders wichtig, so gibt es beispielsweise ein Schülerparlament, in dem die Kinder über die Gestaltung des Schulalltags mitbestimmen können. Insbesondere im Bereich des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule ist man in Templin aktiv: Bereits in den Kindergartengruppen gibt es von der Waldhofschule betreute „Lernecken“, und die älteren Kindergartenkinder besuchen den Waldhof noch vor ihrer Einschulung regelmäßig, um sich einzugewöhnen und erste Freunde zu finden.

Für ihr Engagement und ihre herausragenden Leistungen ist die Waldhofschule Templin 2010 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet worden.

Die Schule im Web: www.waldhofschule.de

Interview mit dem ehemaligen Schulleiter Wilfried Steinert im Archiv der Zukunft.