Gruppenpuzzle (Methode)

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Das Gruppenpuzzle ist eine Unterrichtsmethode, die von dem US-amerikanischen Psychologen Elliot Aronson in den frühen 1970er Jahren entwickelt wurde. Bei dieser Form des kooperativen Lernens werden Schülerinnen und Schüler in Gruppen eingeteilt, die sich alle einem Oberthema widmen. Innerhalb einer Gruppe bearbeitet jeder Schüler ein anderes Teilgebiet dieses Oberthemas. Indem er seine Ergebnisse mit den anderen Gruppenmitgliedern teilt, ergibt sich das vollständige „Puzzle“. Der eigentliche Arbeitsauftrag kann also nur durch die Gruppe gemeinsam – durch das Zusammensetzen aller Teilbeiträge – erfüllt werden.

Aronson verfolgte mit der Gruppenpuzzle-Methode das Ziel, die als negativ wahrgenommene kompetitive Atmosphäre im Klassenzimmer durch ein kooperatives Klima zu ersetzen, in dem Ausgrenzungen von Schülern aufgrund von Intelligenz, sozialer oder ethnischer Herkunft keinen Nährboden finden würden. Die Methode hat sich in seinen Studien als außerordentlich effektives Mittel zur Stärkung der Sozialkompetenzen von Schülern erwiesen.

Inhaltsverzeichnis

Ablauf

Zunächst werden die Schüler in verschiedene, gleich große Gruppen (ca. 4-6 Schüler) eingeteilt. Je nach Vertrautheit der Klasse mit der Methode des Gruppenpuzzles und der Diagnosekompetenz der Lehrkraft ist es sinnvoll, die Lerngruppen möglichst heterogen zusammenzusetzen. Das Oberthema ist für alle Gruppen identisch und in so viele Teilaufgaben unterteilt, wie es Gruppenmitglieder gibt.

Innerhalb der Gruppe bekommt jeder Schüler eine eigene Teilaufgabe bzw. Teilinformationen, die er zunächst alleine bearbeitet. In dieser Phase haben die Schüler keinen Zugriff auf das Material der anderen Gruppenmitglieder.

Bevor die Ergebnisse den Mitschülern der eigenen Gruppe vorgetragen werden, finden sich die Schüler in „Expertengruppen“ zusammen, das heißt: Unabhängig von der ursprünglichen Zuteilung kommen nun diejenigen Schüler zusammen, die sich mit demselben Teilthema beschäftigt haben. Sie diskutieren ihre Ergebnisse und überlegen gemeinsam, wie diese den anderen Teamkameraden am besten vermittelt werden können. Dieser Schritt soll die Qualität der Ergebnispräsentation innerhalb der Gruppen sichern und auch schüchternen oder schwächeren Schülern die Gelegenheit geben, ihre Präsentation abzustimmen und zu üben.

Nach den Expertenrunden kehren die Schüler in ihre ursprüngliche Gruppe zurück und stellen der Reihe nach die Ergebnisse zu ihrem Teilgebiet vor. Die anderen Gruppenmitglieder stellen bei Bedarf Fragen an die Experten. In der Runde diskutieren sie gemeinsam die Ergebnisse.

Die Arbeitsphase wird durch eine Form der Leistungsüberprüfung abgeschlossen, die das gesamte Oberthema umfasst und in den Gruppen vorbereitet wurde, z.B. einen Test, auf den sich die Gruppe gemeinsam vorbereitet hat, oder eine Präsentation der Gruppenergebnisse vor der Klasse.

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Was gilt es zu beachten?

Den Schülern sollte von Beginn an klar sein, dass nur durch die Zusammenarbeit im Team ein gutes Leistungsergebnis erzielt werden kann. Die Aufgabenstellung muss so angelegt sein, dass sie weder im Alleingang noch unter Vernachlässigung einer oder mehrerer Teilbeiträge zu lösen ist. So kann sichergestellt werden, dass die Mitglieder einer Arbeitsgruppe ein gemeinsames (Gruppen)-Ziel übernehmen und zusammenarbeiten, um dieses zu erreichen.

Deswegen sollte auch die Leistungsüberprüfung am Ende das gesamte Oberthema umfassen. Der Fokus der Schüler wird so auf das Gruppenziel gelenkt, Konkurrenz innerhalb der Teams vermieden und die Kooperation der Schüler gefördert.

Der Lehrer bleibt während der Gruppenphasen weit gehend im Hintergrund. Es kann erforderlich sein, neben der Methode selbst zu Beginn der Unterrichtseinheit das Oberthema im Plenum vorzustellen und zu erarbeiten. Im Idealfall nimmt sich die Lehrkraft aber in den Arbeitsphasen selbst komplett zurück und beobachtet unauffällig die Gruppenarbeit. Selbst innerhalb einer Gruppe auftretende Konflikte können, wenn die Schüler mit der Gruppenpuzzlemethode vertraut sind, von (eingangs bestimmten) Gruppensprechern gelöst werden.

Schülerinnen und Schüler, die bisher eher individuelle und kompetitive Arbeitsformen kennengelernt haben, haben mit der kooperativen Methode des Gruppenpuzzles möglicherweise zunächst Schwierigkeiten. Der Lehrer sollte sich Zeit nehmen, um die Methode ausführlich zu erklären und einzuführen. Zudem kann es notwendig sein, zu Beginn der Arbeit mit der Gruppenpuzzle-Methode noch deutliche Hilfestellungen zu geben und häufiger zu intervenieren, bis die Arbeitsabläufe sich eingespielt haben.

Gerade für schwächere Schüler stellt es eine Herausforderung dar, für ihr Teilthema innerhalb der Gruppe – und damit auch für den Gesamterfolg der Gruppenmitglieder – verantwortlich zu sein. Die Arbeit in der Expertengruppe soll gerade sie in den erarbeiteten Ergebnissen bestärken und sie auf die Präsentation innerhalb der Gruppe vorbereiten. Dies muss die Expertengruppe leisten, um eine negative Dynamik zu verhindern, bei der dem schwachen Schüler ein Erfolgserlebnis verwehrt bleibt und er in seiner Gruppe keine Anerkennung erfährt. Darunter leidet letztlich die ganze Gruppe.

Was wird trainiert?

Mit der Gruppenpuzzle-Methode übernehmen die Schülerinnen und Schüler eine aktive Rolle in ihrem Lernprozess, den sie weit gehend selbst organisieren – von der Reihenfolge der Präsentationen in der Gruppe bis hin zur inhaltlichen Ausrichtung der Vorträge. Sie erhalten keine Vorgaben zu den intendierten Arbeitsergebnissen durch die Lehrer. In den Expertengruppen wird erarbeitetes Wissen neu strukturiert, um es anderen weiter zu vermitteln (vgl. auch den „Lernen durch Lehren“ – Ansatz). Durch die Vorträge in der Gruppe werden Präsentationsfähigkeiten trainiert. Die Gruppenarbeit fördert zudem kommunikative Fähigkeiten. Nicht zu vernachlässigen sind die positiven Effekte auf die Klassengemeinschaft: Die Schülerinnen und Schüler innerhalb der Gruppe identifizieren sich mit einem gemeinsamen Ziel und kooperieren, um dieses zu erreichen. Durch die gegenseitige Unterstützung treten das Konkurrieren um die Anerkennung des Lehrers sowie die Ausgrenzung Einzelner in den Hintergrund. Da jeder Schüler unverzichtbarer Experte für sein Teilthema ist, wird er als gleichrangiges, wichtiges Mitglied der Arbeitsgruppe wahrgenommen. Dies fördert, vor allem bei Kooperation und Unterstützung seitens der Teamkameraden, auch bei schwächeren Schülern das Vertrauen in die eigene schulische Leistung und die Lernmotivation.

Literatur und Weblinks

  • Bernard, Rieke: Gruppenpuzzle, in: Innere Differenzierung in der Sekundarstufe II. Ein Praxishandbuch für Lehrer/innen, hg. von Boller, Sebastian / Lau, Ramona, Weinheim und Basel 2010, S. 74-84.
  • Artikel zum Gruppenpuzzle im ZUM-Wiki
  • Offizielle Website der Unterrichtsmethode, inhaltlich betreut durch Elliot Aronson
  • Überblicksseiten (hier unter dem Titel Experten-Gruppen-Rallye) im Methodenpool der Universität Köln (Prof. Dr. Kersten Reich)
  • Ein Beispiel-Gruppenpuzzle zum Thema Seifen und Waschmittel auf der SINUS-Transfer-Homepage: